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07.03.13

ESUG rettet SIAG-Sanierung

Nach Bestätigung des Insolvenzplans: Stahlbauer SIAG beschränkt sich mit Erfolg auf Kerngeschäft in Deutschland und Tschechien - neue ESUG-Richtlinien ermöglichen dringenden Sanierungsschritt

Dresden · 06. März 2013 · Die SIAG Schaaf Industrie AG ist gerettet. Das ist das Ergebnis der heutigen Gläubigerversammlung, auf der dem Sanierungskonzept des international agierenden Unternehmens mit neuem Hauptsitz in Dresden zugestimmt wurde. Damit gilt das Insolvenzverfahren um den führenden Stahlzulieferer für Windkraftanlagen mit rund 1.800 Mitarbeitern nach knapp zwölf Monaten als beendet. Bei gleichbleibendem Umsatz ist sowohl die Strukturwandlung und Entschuldung des Unternehmens von rund 100 Millionen Euro, als auch eine solide Finanzierung für die erfolgreiche Fortführung der betroffenen Standorte gelungen.

Beim Amtsgericht Montabaur hatte die SIAG AG im März vergangenen Jahres den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzplanverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, nachdem Zahlungsunfähigkeit die wirtschaftliche Existenz bedrohte. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Fachanwalt für Insolvenzrecht Dr. Jan Markus Plathner gewählt.

Eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung Ende März 2012 brachte den entscheidenden Wechsel hin zu neuen Restrukturierungschancen für die in die Insolvenz geratene SIAG AG. Der bisherige Vorstandsvorsitzende und Hauptaktionär des Unternehmens Rüdiger Schaaf wurde abberufen, seinen Posten besetzt seither Andrew Seidl. Der erfahrene Dresdner Sanierer übernahm als CEO die operative Verantwortung, führte die SIAG unter Anwendung der neuen Richtlinien nach ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) effizient durch die Insolvenz und sicherte so die Produktion in allen gefährdeten Werken. Dies betraf ausschließlich die Standorte Leipzig und Finsterwalde sowie die Beteiligungsgesellschaft SPQ in Leipzig und die Vertriebsgesellschaft SWT.

Restrukturierung aus eigener Kraft

Unter Federführung des Sanierungsexperten Andrew Seidl gelang es im ersten Schritt, das vorläufige Insolvenzverfahren mit in Kraft treten der neuen Insolvenzordnung ESUG am 1. März 2012, in eine vorläufige Eigenverwaltung umzuwandeln. Das sollte nicht nur die Sanierungsmaßnahmen erleichtern, sondern auch die Prozesse in der vorläufigen Eigenverwaltung optimieren. „Durch diese nachträgliche Umwandlung wurde dem Vorstand die weiterführende Sanierung des Geschäftsbetriebs ermöglicht - im Falle der SIAG AG eine absolute Notwendigkeit und Paradebeispiel, wie mit Mitteln der neuen Insolvenzordnung durch ESUG die erforderlichen Sanierungsschritte realisiert werden können“, sagt Sanierungsexperte Andrew Seidl.

„Früher wäre eine solche Restrukturierung gescheitert, da Altgesellschafter ihre Geschäftsanteile oft nicht abgeben wollten oder nicht in der Lage waren, einen eigenen Beitrag zur Verfügung zu stellen,“ so Seidl weiter. Das habe vor allem die Kreditinstitute abgeschreckt, da die Sanierung im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens auf Kosten der Gläubiger erfolgte, der Sanierungserfolg aber verblieb beim Gesellschafter. Geschlossen wurde diese Lücke über die Richtlinien des ESUG.

Im nächsten Schritt erfolgte die maßgebliche Finanzierung über ein Massedarlehen der Deutschen Kreditbank DKB, bei der Andrew Seidl als neuer Vorstandsvorsitzender der SIAG AG das Vertrauen für eine weiterführende Unterstützung wieder gewinnen konnte - und in dessen Ergebnis neue Darlehen für das Sanierungskonzept gestellt wurden. Hintergrund zu den Bemühungen Seidls waren Wertberichtigungen von Krediten an die SIAG in Höhe von 15,5 Millionen Euro, auf jene die DKB im Rahmen der ESUG-Restrukturierung dann verzichtete. „Das zeigt ein mal mehr die enormen Potentiale und Chancen, die sich unter der Anwendung der neuen Insolvenzordnung ergeben - für Schuldner und vor allem für Gläubiger“, sagt Andrew Seidl.

Im Fokus des Sanierungskonzepts stand zudem die Fokussierung auf das Kerngeschäft der SIAG AG mit der Konzentration auf den sogenannten Onshore-Bereich, den Standorten auf dem Festland. Im Rahmen dessen wurde der Offshore-Bereich mit drei Standorten ausgegliedert. Die Konzernzentrale wurde im Dezember 2012 vom rheinland-pfälzischen Dernbach nach Dresden verlegt, der Personalbestand auf zwölf Mitarbeiter reduziert. Im Unternehmensverbund bleiben nach dem Strukturwandel der SIAG Schaaf Industrie AG der Produktionsstandort in Leipzig SIAG Tube & Tower GmbH ebenso wie die tschechischen Werke SIAG Stahlbau Teplice und SIAG CZ s.r.o. Chrudim. „So ist es innerhalb eines Jahres gelungen, die Struktur des Konzerns auf die Kernkompetenz zu verschlanken - und all das bei einer Stabilisierung des Umsatzes für das Jahr 2012 und 2013 bei rund 120 Millionen bis 135 Millionen Euro“, so Sanierungsspezialist Andrew Seidl zur Bilanz der Sanierung nach ESUG.

Zum Hintergrund:

Die SIAG Schaaf Industrie AG ist einer der wesentlichen deutschen Stahlturmhersteller für die Windenergietechnik. Nachdem der Konzern mit rund 1.800 Arbeitnehmern im Jahr 2009 einen Umsatz von rund 180 Millionen Euro erwirtschaftete, brach dieser infolge der konjunkturellen Flaute im Windenergiebereich auf 137 Millionen Euro im Jahr 2011 ein. Ursprünglich war die SIAG Schaaf Industrie AG auf zwei Geschäftsfeldern, dem Onshore- und dem Offshore-Bereich, tätig. Zum Unternehmensverbund gehörten mehrere Auslandswerke, die um Zuge des Sanierungskonzepts ausgegliedert wurden.

Wesentliche Kunden der SIAG Schaaf Industrie AG sind die Firmen Repower, Nordex, Vestas und GE, die das Sanierungskonzept unterstützt haben, indem sie auch während der Insolvenzphase weitere Aufträge erteilten. Das Sanierungskonzept befreite die SIAG Schaaf Industrie AG zudem von Verbindlichkeiten in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Ebenso wurde im Rahmen des Insolvenzplans eine Umwandlung der Rechtsform in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) vorgenommen. Gleichzeitig konnte die Deutsche Kreditbank AG dazu gewonnen werden, auch die zukünftige Finanzierung des Unternehmens zur Verfügung zu stellen, obwohl die DKB im Rahmen des Sanierungskonzeptes selber auf 15,5 Millionen Euro verzichten muss. Damit ist durch die neue Finanzstruktur gewährleistet, dass die SIAG Schaaf Industrie AG über genügend finanzielle Reserven verfügt, um in Zukunft als starker Partner am Markt zu agieren.

Die SIAG Schaaf Industrie AG ist führender Zulieferer im Bereich Stahlkomponenten für die Windkraftenergie. Die Gruppe blickt auf eine 16-jährige Erfahrung im Stahlbau zurück und ist kontinuierlich zum Systemanbieter gewachsen, der mittlerweile alle Anlagenbauer für Windkraftanlagen zu Ihrem Kundenstamm zählt. Durchgängige Qualitätsüberwachungssysteme sowie höchste Liefertreue zeichnen das Unternehmen und die Gruppe aus, die über 1.800 Mitarbeiter an elf Standorten beschäftigt.