Stabwechsel beim Bundesgerichtshof: Klaus Tolksdorf folgt Günter Hirsch

01.02.2008

Bundesministerium der Justiz

Mit einem Festakt in Karlsruhe hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries heute den Präsidenten des Bundesgerichtshofs Prof. Dr. Günter Hirsch in den Ruhestand verabschiedet und seinen Nachfolger Prof. Dr. Klaus Tolksdorf in sein Amt eingeführt. Rund siebeneinhalb Jahre stand der gebürtige Bayer Hirsch an der Spitze der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Deutschland.

"Mit dem heutigen Tag findet eine beeindruckende Richterlaufbahn ihren Abschluss. Sie begann in Bayern und führte über Sachsen und Luxemburg schließlich nach Karlsruhe. Günter Hirsch kann auf eine höchst erfolgreiche Karriere zurückblicken, in der er sich über die Grenzen unseres Landes hinaus einen Namen in der Jurisprudenz gemacht hat. Seit jeher hat er sich erfolgreich dafür eingesetzt, rechtsstaatliche Strukturen zu schaffen und deutsche Rechtsideen zu exportieren. Günter Hirsch hat als Präsident des Bundesgerichtshofs die notwendige Modernisierung der Rechtspflege stets unterstützt und gefördert. Das gilt nicht nur für das Recht selbst. Dank der Aufgeschlossenheit des Präsidenten gegenüber modernen Informations- und Kommunikationstechnologien war der BGH das erste Gericht, bei dem der elektronische Rechtsverkehr rechtlich verbindlich praktiziert worden ist", unterstrich Zypries die Verdienste des scheidenden Präsidenten.

Vor 35 Jahren begann Hirschs Karriere in der bayerischen Justiz. Fast zwei Jahrzehnte diente er im Freistaat in stetem Wechsel bei Staatsanwaltschaften, Gerichten und im bayerischen Staatsministerium der Justiz. Nach der Wiedervereinigung unterstützte er Sachsen beim Aufbau einer rechtsstaatlichen Justiz, wurde Präsident des Oberlandesgerichtes in Dresden und Präsident des Sächsischen Verfassungsgerichtshofs. Daran schlossen sich rund sechs Jahre als Richter am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg an, bis Hirsch schließlich im Sommer 2000 an die Spitze des Bundesgerichtshofs nach Deutschland zurückkehrte.

Mit Ablauf dieses Monats tritt er nun in den Ruhestand. Prof. Dr. Klaus Tolksdorf wird ihm nachfolgen.

"Mit Klaus Tolksdorf wird ein in hohem Maße geachteter Strafrichter an der Spitze des Bundesgerichtshofs stehen. Die, die bislang mit ihm zusammengearbeitet haben, loben seinen herausragenden juristischen Sachverstand, seine intellektuelle Schärfe in der Problemlösung, sein Geschick in Verwaltungsangelegenheiten und seine kollegiale Art des Umgangs", sagte Zypries in Karlsruhe.

1948 in Gelsenkirchen geboren, dort, in Münster und in Wiesbaden aufgewachsen, begann Tolksdorf seine berufliche Laufbahn als Polizeibeamter im Streifendienst. Nebenbei studierte er Rechtswissenschaften in Bonn. Dort begann auch seine Richterlaufbahn am Landgericht. Nach Richtertätigkeiten in Münster und Hamm folgte eine Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesgerichtshof und beim Bundesverfassungsgericht. Seit 1992 gehört er dem höchsten deutschen Gericht für Zivil- und Strafsachen an, 2001 übernahm Tolksdorf den Vorsitz des 3. Strafsenats. In die Zeit seines Vorsitzes fielen die Revisionsverfahren gegen die Mitglieder der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta nach den Anschlägen des 11. September ebenso wie das Revisionsverfahren im sogenannten Mannesmann-Prozess.

Seiner hohen fachlichen Kompetenz verdankt er die Wahl durch die UN-Vollversammlung zum ad-litem-Richter beim Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag. Seit 2004 ist er deutsches Mitglied der gemeinsamen Kontrollkommission von Eurojust, deren Vorsitz er während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft führte.

An der Universität Münster, die ihn 1999 zum Honorarprofessor ernannt hat, lehrt er seit 13 Jahren Straf- und Strafprozessrecht.

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