Allen & Overy: Attraktivität alternativer Finanzierungen nimmt in Europa zu

12.11.2015

London/Frankfurt am Main, 11. November 2015. Europäische Unternehmen machen weiterhin aktiv von alternativen Finanzierungen Gebrauch: Laut einer heute von Allen & Overy veröffentlichten Studie finanzieren sich Unternehmen zu rund einem Drittel (30%) aus dieser Quelle.

Dennoch ist der Markt für alternative Finanzierungen nach wie vor stark fragmentiert und weitgehend auf die nationale Ebene beschränkt. Um einen einheitlichen Standard durchzusetzen, sind daher gemeinsame Anstrengungen der Branche nötig, um die über ganz Europa ungleich verteilten Kapitalpools nutzbar machen zu können.

Dr. Neil George Weiand, Partner im Bereich Bank- und Finanzrecht von Allen & Overy, zum deutschen Markt: „Kleine und mittelgroße deutsche Unternehmen finanzieren sich derzeit in aller Regel über klassischen Bankkredit oder über den Schuldscheinmarkt, den bestetablierten europäischen lokalen Private Placement Markt. Das Interesse an und die Vertrautheit mit anderen alternativen Finanzierungen als dem Schuldschein ist – wie auch die Studie belegt - hierzulande bis auf Sondersituationen, wie etwa margenträchtigeren langfristigen Strukturfinanzierungen oder Buy Out Finanzierungen, gering. So haben die erst kürzlich publizierten Standarddokumente für pan-europäische Privatplatzierungen und Best Practice Leitfäden hierzu meines Wissens im hiesigen Markt noch keine Verwendung gefunden. Pan-europäische Privatplatzierungen dürften jedoch künftig erheblich an Bedeutung gewinnen, wenn die Märkte nicht mehr so liquide sind und die Kreditwirtschaft (die auch künftig eine wichtige Mediatorenrolle einnehmen dürfte) die erhöhten regulatorischen Kosten weitergibt, sodass heute etablierte Finanzierungswege nicht mehr für alle Kreditnehmer offen stehen."

Der europäische Markt erreicht dagegen allmählich einen Wendepunkt. Der Finanzierungsmix hat sich etabliert und alle für einen lebendigen Markt erforderlichen Faktoren sind vorhanden. Standardisierte Dokumentationen und der Best-Practice-Leitfaden für Privatplatzierungen haben eine gute Grundlage geschaffen, diesen Markt einheitlicher zu gestalten. „Es war nicht wirklich zu erwarten, dass dieses Format gerade einmal zehn Monate nach der Einführung bei allen Transaktionen genutzt wird. Es muss aber noch mehr getan werden, diese Strukturen allen Marktakteuren nahezubringen, um europaweit besser nutzbare Kapitalressourcen zum Vorteil aller zu schaffen. Banken mit ihren tief verwurzelten Beziehungen und riesigen Vertriebsnetzen sowie Anwaltskanzleien kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, um Marktteilnehmer auf den neuesten Stand zu bringen", so Ben Fox, Partner im Bereich Bank- und Finanzrecht von Allen & Overy.

Die Studie unterstreicht, dass der Pan-European Corporate Private Placement Market Guide und andere standardisierte Dokumentationsformen zwar drei Vierteln (76 %) der Kapitalnehmer bekannt sind, jedoch nur von einem Viertel auch tatsächlich genutzt werden. Investoren haben die Standardisierung dagegen bereitwilliger angenommen: 54 % nutzen hier den Leitfaden bzw. entsprechende Dokumentationen.

Für die von YouGov* europaweit durchgeführte Umfrage wurden über 360 Personen befragt – je zur Hälfte Finanzchefs bei Unternehmen und Entscheidungsträger bei Investoren. Die Umfrage macht Folgendes deutlich: Während Bankkredite nach wie vor die wichtigste Finanzierungsquelle für europäische Unternehmen sind (mit einem Anteil von durchschnittlich 48 % am gesamten Finanzierungsaufkommen), gab nahezu die Hälfte der Unternehmen (48 %) an, in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich vermehrt alternative Finanzierungen zu nutzen. Dies liegt über den Erwartungen der Unternehmen für den Anstieg von Bankkrediten oder Kapitalmarktfinanzierungen (jeweils 31 %).

Diese Einschätzung wird von den Investoren gestützt, bei denen über die Hälfte der Befragten (57 %) einen Anstieg der Bereitstellung alternativer Finanzierungen für große Unternehmen erwartet. Mittlere Unternehmen werden noch stärker profitieren: 63 % der Investoren rechnen mit einem Anstieg der Finanzierungen für dieses Unternehmenssegment.

*Methodik: Diese Studie wurde hauptsächlich mittels telefonischer Befragungen von 368 Teilnehmern, sowohl Vertreter von Unternehmen als auch Investoren, in sechs europäischen Märkten durchgeführt: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und Benelux.

Die Befragten bei den Unternehmen verteilten sich gleichmäßig auf mittlere und große Unternehmen und über alle wichtigen Branchen mit Ausnahme des Finanzdienstleistungssektors. Alle Befragten verfügen in ihren Unternehmen über wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen zur Kapitalaufnahme.

Auf Investorenseite verteilten sich die Befragten auf verschiedene Organisationen, darunter Private-Debt-Fonds, Asset Manager, Hedgefonds, Versicherungsgesellschaften, Family Offices, Pensionsfonds, Peer-to-Peer- und Crowdfunding-Plattformen usw. Alle Befragten verfügen in ihren Organisationen über wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen zur Kapitalvergabe.

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