Allen & Overy: M&A-Boomjahr 2014 - Deutschland erlebt stärksten M&A-Markt seit Lehman-Krise

12.01.2015

Frankfurt am Main, 12. Januar 2014. Dem aktuellen M& A-Index von Allen & Overy zufolge, war der deutsche M&A-Markt im Jahr 2014 stärker als in jedem anderen Jahr seit der Lehman-Krise. Zahlreiche großvolumige Transaktionen, häufig mit zweistelligem Milliarden-Volumen, prägten das Bild und schafften auch Vertrauen für ein breites Aufleben der Aktivität im unteren und mittleren Marktsegment.

Besonders hervorzuheben sind hier strategisch getriebene Transaktionen mit häufig grenzüberschreitendem Charakter. Überraschend war dabei der deutliche Fokus deutscher Erwerber auf US-amerikanische Unternehmen. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck führt mit dem Erwerb des Laborausrüsters Sigma-Aldrich für rund 13,1 Milliarden Euro die Liste dieser Transaktionen an; dicht gefolgt von der Bayer AG, die mit einem Angebot von rund 14,2 Milliarden US-Dollar den Zuschlag zum Erwerb des Bereichs rezeptfreie Medikamente von Merck & Co. erhielt. „Eine so deutliche Ausrichtung auf den US-amerikanischen Zielmarkt war in dieser Konzentration nicht zu erwarten", so Corporate/M&A-Partner Dr. Michael J. Ulmer. „Interessant wird sein, ob die Fokussierung auf US-amerikanische Zielunternehmen fortdauert."

Auf europäischer Ebene wurden zahlreiche großvolumige Transaktionen US-amerikanischer Käufer angekündigt, getrieben von dem Wunsch, ihren Steuersitz nach der Akquisition in den aus steuerlicher Sicht attraktiveren Sitzstaat der Zielgesellschaft zu verlegen. Einige dieser Inversion Deals wurden jedoch wieder abgesagt, nachdem die US-amerikanischen Finanzbehörden die Anwendungspraxis einschlägiger Steuervorschriften mittlerweile geändert haben. Die strategisch motivierte Übernahme von Celesio durch McKesson mit einem Volumen von über 6 Milliarden Euro stellt die größte US-amerikanische Transaktion in Deutschland im Jahr 2014 dar.

Doch nicht alle Milliarden-Transaktionen in 2014 hatten US-Bezug. So konnte etwa Siemens für rund 3 Milliarden Euro seine 50%-Beteiligung am Hausgeräte Gemeinschaftsunternehmen BSH an den Joint Venture Partner Bosch abgeben. Auch die europaweite Neuordnung der Sky-Gruppe führte in Deutschland zu einem Übernahmeangebot an die Aktionäre von Sky Deutschland mit einem Volumen von rund 2,7 Milliarden Euro. Die Deutsche Annington und GAGFAH vereinbarten den Zusammenschluss zu einem der größten Immobilienunternehmen Europas mit einem kombinierten Portfoliowert von rund 21 Milliarden Euro.

„Das durch diese Transaktionen gestärkte Vertrauen der Marktteilnehmer führte zu einem deutlichen Ansteigen der M&A-Aktivitäten auch im unteren und mittleren Marktsegment, und eben diese sind für einen nachhaltigen Aufschwung des M&A-Marktes unerlässlich", so die Einschätzung von Corporate/M&A- Partner Dr. Hartmut Krause.

Nicht zuletzt trugen im vergangenen Jahr Finanzinvestoren und ein belastbarer Kapitalmarkt ihren Teil zur Stärke des deutschen M&A-Marktes bei. So erwarb etwa im vierten Quartal EQT gemeinsam mit der Unternehmerfamilie Strüngmann die Hörgerätesparte von Siemens für rund 2,15 Milliarden Euro. Weitere großvolumige Private Equity-Transaktionen in den ersten drei Quartalen 2014 und zahlreiche Transaktionen im mittleren Marktsegment runden ein insgesamt durchaus zufriedenstellendes Jahr für Private Equity-Investoren ab.

Der Finanzmarkt bot 2014 eine belastbare Finanzquelle für M&A-Transaktionen sowie attraktive Exit-Optionen. Die Deutsche Bank konnte sich etwa mit der zweitgrößten Kapitalerhöhung ihrer Geschichte neben rund 8 Milliarden Euro mit dem Herrscherhaus Qatar auch einen neuen Großaktionär verschaffen. Dass die Deutsche Annington Teile der Gegenleistung des Übernahmeangebots an die GAGFAH-Aktionäre mit Aktien aus einer Kapitalerhöhung strukturiert, zeigt das fortdauernde Vertrauen in die nachhaltige Belastbarkeit der Finanzquelle Kapitalmarkt.

2014 war insgesamt ein Ausnahmejahr im deutschen M&A-Markt. Derzeit sind trotz revidierender Wachstumsprognosen und erster leichter Hinweise auf ein Wieder-Aufflackern der Eurokrise keine Anzeichen für eine deutliche Abschwächung des Marktes zu erkennen. „Die Rahmenbedingungen bleiben weiterhin günstig; im unteren und mittleren Marktsegment bleibt die Pipeline gefüllt und der Kapitalmarkt zeigt sich robust. Vor diesem Hintergrund ist die Hoffnung auf ein Fortdauern des boomenden M&A-Marktes in Deutschland durchaus berechtigt", erwartet Michael J. Ulmer.

Der quartalsweise erscheinende M&A-Index von Allen & Overy gibt einen Einblick in die aktuelle weltweite Marktsituation und enthält Einschätzungen von Partnern der Kanzlei. Er wird untermauert durch unabhängige, extern in Auftrag gegebene vierteljährliche Erhebungen zu Anzahl und Wert weltweiter M&A-Transaktionen.

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