Brinkmann & Partner: KULMBACHER SPINNEREI KANN VORERST WEITER MACHEN

06.12.2010

- DR. JAN MARKUS PLATHNER STABILISIERT BETRIEB MIT UNTERSTÜTZUNG VON KUNDEN, LIEFERANTEN UND BANKENPOOL

- ERSTE PHASE DER RESTRUKTURIERUNG BEREITS UMGESETZT, AM STANDORT MAINLEUS KÖNNEN 130 VON 227 MITARBEITERN WEITER BESCHÄFTIGT WERDEN

- BÜRGSCHAFT FÜR EINSTIEG NEUER INVESTOREN WESENTLICH, POLITISCHE UNTERSTÜTZUNG GEFORDERT

Mainleus/Frankfurt am Main, 1. Dezember 2010. Die Kulmbacher Spinnerei kann vorerst weiter arbeiten. „Wir haben unser erstes Zwischenziel erreicht. Mit Unterstützung der Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und des Bankenpools ist es gelungen, den Betrieb zu stabilisieren und so aufzustellen, dass wir ihn zunächst fortführen können. Auch die erste Phase der Restrukturierung ist bereits umgesetzt, so dass eine kostendeckende Produktion wieder möglich ist. Allerdings haben wir damit erst den Grundstock gelegt, ein Großteil der Arbeit, insbesondere bei der Suche nach Investoren, steht uns noch bevor“, zog der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei BRINKMANN & PARTNER eine erste Zwischenbilanz seiner zweiwöchigen Tätigkeit.

„Trotz des enormen Zeitdrucks und der zunächst völlig fehlenden Liquidität konnten wir mit einer gewaltigen Anstrengung aller Beteiligten den Betrieb am Leben erhalten. Kunden haben uns Aufträge vorfinanziert, die Lieferanten bestätigt, dass sie uns weiter beliefern werden, die Banken als Hauptgläubiger ihre Zustimmung zur Fortführung gegeben und die Mitarbeiter einen entscheidenden Beitrag zur Restrukturierung geleistet. Sonst hätten wir heute den Betrieb einstellen müssen. Um den Betrieb dauerhaft zu erhalten, brauchen wir jedoch Investoren“, betonte der Sanierungsexperte Plathner.

Insolvenzgeld wird in den nächsten Tagen ausgezahlt

Da der Insolvenzgeldzeitraum für die Mitarbeiter Ende November endete, musste der Betrieb bis zum 1. Dezember so aufgestellt werden, dass er wieder unter Vollkosten arbeiten kann. Dies machte eine Anpassung der Mitarbeiterzahl an die Auftragslage notwendig. Zusammen mit den Mitarbeitern, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft wurde unter Berücksichtigung sozialer Kriterien ein Konzept erarbeitet, wie und mit welchen Mitarbeitern ohne Beeinträchtigung des Betriebs weiter gearbeitet werden kann. Am Montag wurden die Mitarbeiter darüber informiert. Den von Stellenstreichungen betroffenen 97 Mitarbeitern wurde nahe gelegt, aus eigenem Antrieb fristlos zu kündigen. Damit konnten sie nicht nur den Anspruch auf unverzügliche Auszahlung des Insolvenzgeldes sondern auch den nahtlos anschließenden Bezug von Leistungen der Agentur für Arbeit sichern. Die Auszahlung des Insolvenzgeldes wurde von der Agentur für Arbeit bis Anfang kommender Woche zugesagt.

Die 130 Mitarbeiter, die in Mainleus vorerst weiter beschäftigt werden können, werden ebenfalls in den nächsten Tagen erstmals nach zweieinhalb Monaten wieder Zahlungen bekom2 men. Der vorläufige Insolvenzverwalter konnte für sie eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes bewirken.

Eine ähnliche Lösung zur Fortführung sollte auch für die Textilwerke Glauchau umgesetzt werden. Hier war geplant, den Betrieb mit rund 20 von ursprünglich 45 Mitarbeitern weiter zu führen. Allerdings weigerte sich der örtliche Energieversorger, den Betrieb weiter mit Strom zu beliefern, sodass die Produktion dort derzeit ruht. Im tschechischen Tochterbetrieb der Kulmbacher Spinnerei geht der Betrieb derzeit unvermindert weiter.

Auch bei der Suche nach potenziellen Investoren als Basis für die dauerhafte Fortführung der Kulmbacher Spinnerei und ihrer von der Insolvenz betroffenen Schwestergesellschaften ist der vorläufige Insolvenzverwalter vorangekommen. „Es gab bereits erste Gespräche mit Interessenten, allerdings ist es noch zu früh, hier eine Prognose für den Ausgang abzugeben“, so Plathner.

Ein entscheidender Punkt für den Einstieg neuer Investoren dürfte die Gewährung einer Bürgschaft für die Betriebsmittelfinanzierung sein. Hier hofft der vorläufige Insolvenzverwalter auf Unterstützung seitens der Politik. Eine erste Kontaktaufnahme mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium ist diesbezüglich bereits erfolgt.

„Es geht hier um den Erhalt eines traditionsreichen Standortes mit hoher Kompetenz in der Fertigung von Spezialgarnen für industrielle Anwendungen. Das und eine dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen sollte nicht verloren gehen. Denn wenn bei der Kulmbacher Spinnerei die Lichter ausgehen, dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass an diesem Standort eine weitere industrielle Produktion stattfinden kann“, betonte Plathner.

Qualitätslieferant von Spezialgarnen für Bekleidungs- und Automobilindustrie Das seit 1863 bestehende Traditionsunternehmen Kulmbacher Spinnerei war durch die Folgen der Finanzkrise in Schieflage geraten. 2009 brachen die Umsätze um über 45 Prozent ein. Nach zweijähriger Kurzarbeit gab es zwar zuletzt leichte Erholungstendenzen, jedoch fehlte es dem Unternehmen nunmehr an Substanz, um angesichts dramatisch gestiegener Energieund Rohstoffpreise die Finanzierung des Geschäftsbetriebs sicherzustellen. Monatelange Verhandlungen mit Geldgebern und Banken blieben letztlich ohne Ergebnis, sodass Geschäftsführer Jürgen Knecht am Montag, 15. November, Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Kulmbacher Spinnerei GmbH, die Färberei Mainleus GmbH und die Textilwerke Glauchau GmbH stellte.

Die Kulmbacher Spinnerei und ihre Schwestergesellschaften erzielen über die Hälfte ihres Umsatzes durch die Lieferung von Spezialgarnen für die Bekleidungsindustrie. Über ein Viertel entfällt auf die Zulieferung für die Automobilindustrie, der Rest auf technische Spezialgarne für verschiedene industrielle Anwendungen. Die Kulmbacher Spinnerei hat sich dabei vor allem als Lieferant von Qualitätsprodukten einen Namen gemacht.

Weitere Informationen:

BRINKMANN & PARTNER wurde 1980 gegründet und arbeitet heute bundesweit als Partnergesellschaft in 33 Niederlassungen mit mehr als 110 Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern (insgesamt rund 420 Mitarbeiter). Sie verbindet mit einem unternehmerischen Ansatz die Bereiche Insolvenzen, Restrukturierung und steuerliche Beratung zu einem interdisziplinären Konzept. Dadurch hat die Sozietät einen führenden Ruf bei der Restrukturierung von Unternehmen erworben und ist mit über 20 Verwaltern eine der größten deutschen Insol3 venzverwalterkanzleien. Zu den bekanntesten Sanierungen von Dr. Jan Markus Plathner zählen der Maschinenbauer ROVEMA, die TrekStor GmbH & Co. KG, die Meffert-Gruppe sowie die Sportvereine SpVgg Bayreuth und SV Darmstadt 98.

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Dr. Jan Markus Plathner
Rechtsanwalt
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