Buchalik Brömmekamp: Steinco zieht positive Zwischenbilanz im Eigenverwaltungsverfahren

26.02.2019

Sanierungsverfahren soll Mitte des Jahres aufgehoben werden

Geschäftsbereiche Rollen und Schnellverschlusskupplungen verzeichnen Umsatzwachstum

Wermelskirchen. 26. Februar 2019. Die Gläubiger der Steinco Paul vom Stein GmbH in Wermelskirchen stehen weiter zum Unternehmen und haben einstimmig für die Weiterführung der Eigenverwaltung votiert. Zuvor hatte die Geschäftsführung den Sanierungsplan beim Prüfungs- und Berichtstermin vor dem Amtsgericht Köln vorgestellt. „Mit diesem eindeutigen Votum können wir die entwickelten Sanierungsmaßnahmen planmäßig und zügig weiter umsetzen. Die Aufhebung des Verfahrens soll dann Mitte des Jahres erfolgen“, erklärt Ralf Goos, Technischer Leiter Rollen und Räder.

Kernpunkte des Konzeptes sind die Konzentration auf die beiden profitablen Geschäftsbereiche Rollen und Schnellverschlusskupplungen sowie die daraus resultierende Teilschließung der Dreherei. Die ersten Maßnahmen zeigen schon gute Ergebnisse. Im Jahr 2018 konnten beide Bereiche ein Umsatzwachstum verzeichnen, der Geschäftsbereich Schnellverschlusskupplungen (SVS) sogar um fast 15 Prozent. „In beiden Bereichen sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Wir werden gestärkt aus dem Verfahren herausgehen“, schaut Steinco-Geschäftsführer Michael Pesch positiv in die Zukunft. Vor allem im europäischen Ausland sowie im Gesundheitswesen sieht der Vertriebsgeschäftsführer noch erhebliches Wachstumspotenzial für Steinco. Medizinprodukte werden vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Gesellschaft verstärkt nachgefragt. So sind die Steinco-Rollen und Räder bei Krankenhausbetten, Infusionsständern oder auch portablen Röntgengeräten im Einsatz.

Im zweiten Geschäftsbereich SVS hat Steinco das Kupplungssystem Bitec auf den Markt gebracht, dass ein druckloses Öffnen der Kupplungen ermöglicht. Vor dem Entkuppeln kann der Druck aus der Leitung zunächst entweichen, erst danach kann die Kupplung drucklos geöffnet werden. Damit wird die Verletzungsgefahr reduziert. Besonders bei Anlagen mit hohen Leitungsdrücken wird diese Kupplungstechnik von Sicherheitsexperten empfohlen. Insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau ist diese innovative Lösung auf großes Interesse gestoßen.

Mit der Teilschließung der Dreherei zieht das Traditionsunternehmen einen Schlussstrich unter das defizitäre Geschäft im Automobilbereich. Die Ausproduktion in dem Produktionsbereich hat bereits begonnen. Bis Ende April werden die Automotivekunden noch mit Drehteilen beliefert, danach wird nur noch für den Eigenbedarf gefertigt. Rund 50 Arbeitsplätze vor allem im Werk Frohntalerstraße sind davon betroffen. Der Abbau erfolgt durch Altersteilzeit, Ruhestandsregelungen, die Beendigung von befristeten Verträgen sowie den Wechsel von 32 Mitarbeitern in eine Transfergesellschaft. Die Transfergesellschaft bereitet die Mitarbeiter für einen neuen Arbeitsplatz beispielsweise durch Bewerbertrainings vor und versucht, sie in neue Stellen zu vermitteln. „Angesichts des Fachkräftemangels sehe ich sehr gute Chancen für die Mitarbeiter, zumal viele ausgebildete Facharbeiter darunter sind. Elf Kollegen konnten bereits einen neuen Job finden, und es würde uns freuen, wenn sich noch mehr Unternehmen bei uns melden, die Fachkräfte suchen“, so Goos.

Steinco hat nach dem bestandenen Prüfungs- und Berichtstermin einen wesentlichen Meilenstein im Sanierungsverfahren erreicht. In diesem Termin vor dem Amtsgericht stellt die Geschäftsführung die ersten Sanierungsmaßnahmen vor und die Gläubiger entscheiden über den Fortgang des Verfahrens. „Das derzeitige Kundeninteresse und die gute Auftragslage überrascht uns sehr. Vor dem Verfahren befürchteten wir, dass die Kunden abspringen werden. Aber im Gegenteil. Viele Lieferanten unterstützten uns in dieser Zeit und einige Kunden bestellten sogar mehr als geplant. Viele Beteiligte wie auch unsere Mitarbeiter begleiten uns in dieser Zeit mit großem Engagement. Allen gilt ein besonderer Dank“, so Ralf Goos. Für den Technischen Leiter ist die Eigenverwaltung ein gutes Instrument, um eine Firma, die noch Substanz hat, wieder auf Kurs zu bringen und viele Arbeitsplätze zu retten. „Wichtig ist, dass sich ein Unternehmen frühzeitig für die Eigenverwaltung entscheidet“, erklärt Sanierungsexperte Volker Schreck, der das Unternehmen durch das Verfahren begleitet. Steinco habe den Antrag Ende August 2018 bereits bei einer drohenden Zahlungsunfähigkeit gestellt und damit „nun alle Hebel in der Hand, um die Sanierung erfolgreich zu bewältigen.“ Schreck kommt von der Düsseldorf Sanierungsberatung Buchalik Brömmekamp und stellte als Sanierungsgeschäftsführer mehrfach Unternehmen wieder wettbewerbsfähig auf.

Mit dem Sanierungsverfahren nutzt Steinco die neuen Möglichkeiten der Insolvenzrechtsreform, die im März 2012 in Kraft trat. Danach bleibt die Geschäftsführung in einem solchen Verfahren unter Insolvenzschutz weiterhin im Amt und kann selbstständig Sanierungsmaßnahmen entwickeln, die anschließend in einen Insolvenzplan überführt werden. Der Insolvenzplan zeigt die Maßnahmen für eine Fortführung des Unternehmens auf. Die beteiligten Gläubiger müssen diesem Plan zustimmen.

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