Dr. Ringsteier & Kollegen: Amtsgericht Köln eröffnet Insolvenzverfahren über das Vermögen der AgfaPhoto GmbH

03.08.2005

Dr. Ringsteier & Kollegen

Amtsgericht Köln eröffnet Insolvenzverfahren über das Vermögen der AgfaPhoto GmbH

· Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angeordnet

· Interessenausgleich und Sozialplan unterschrieben

· Lösungen für Großlabore und Minilaboratorien zeichnen sich ab

Köln, den 1. August 2005 – Das Amtsgericht Köln hat als zuständiges Insolvenzgericht heute das Insolvenzverfahren über das Vermögen der AgfaPhoto GmbH eröffnet. Gleichzeitig ordnete das Gericht Eigenverwaltung an. Zum Sachwalter der Gläubiger wurde der bisherige vorläufige Insolvenzverwalter, Dr. Andreas Ringstmeier, bestellt. Das Ziel der Eigenverwaltung ist es, den Geschäftsbetrieb weiter aufrecht zu erhalten, die wesentlichen Unternehmensteile kontrolliert fortzuführen und dauerhaft zu erhalten.

Mit Anordnung der Eigenverwaltung führt die Geschäftsführung der AgfaPhoto GmbH mit dem Sanierungsfachmann Hans-Gerd H. Jauch und Wilfried Sill, den der Aufsichtsrat mit Wirkung zum 1. August 2005 in die Geschäftsführung bestellt hat, das Insolvenzverfahren selbst durch.

Sill (52) war von 1977 bis zur Gründung der AgfaPhoto GmbH im November 2004 bei dem damaligen Mutterkonzern Agfa Gevaert in verschiedenen Funktionen in Leverkusen, in Belgien und mehrmals in den USA tätig. Er kennt den Film- und Fotomarkt ebenso gut wie das Unternehmen und hat diverse Restrukturierungsprozesse sowohl auf Betriebs- als auch auf Konzernebene verantwortet. Sill ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Die bisherigen Geschäftsführer der AgfaPhoto GmbH, Eddy Rottie und Ingbert Schmitz, hatten bereits am 22. Juli 2005 angekündigt, ihre Mandate bei der AgfaPhoto GmbH mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. August 2005 niederzulegen, um sich voll und ganz auf ihre Verantwortlichkeiten in den – nicht insolventen - Vertriebsgesellschaften der AgfaPhoto Gruppe zu konzentrieren.

"Die Anordnung der Eigenverwaltung ist wegen der Vergleichbarkeit zu dem international bekannten Fortführungsverfahren nach Chapter 11 ein deutliches Signal für die Märkte und erhöht die Chancen unserer Traditionsmarke an den Märkten erheblich", kommentierte Jauch die Entscheidung des Insolvenzgerichts.

Sachwalter Dr. Ringstmeier: "Die Entscheidung des Gerichts ist ein besonderes Signal für den Gläubigerschutz. Geschäftsführung und Sachwalter werden auch weiterhin mit aller Kraft gemeinsam im Team dafür eintreten, das Unternehmen nachhaltig zu sanieren. Wir wollen die Kenntnisse der am Markt etablierten Mitarbeiter und unserer Vertriebsgesellschaften optimal für die Fortführung von AgfaPhoto nutzen."

Der Sachwalter kann Rechtshandlungen anfechten, wenn sie für die Insolvenzgläubiger nachteilig sind. Die Insolvenzgläubiger haben nun ihre Forderungen beim Sachwalter bis zum 16. September 2005 anzumelden, der diese in die Insolvenztabelle einträgt.

Das Amtsgericht Köln hat für den 11. Oktober 2005 einen Berichtstermin anberaumt. Dort hat die Gläubigerversammlung auf Grundlage eines Berichts der Geschäftsführung und der Stellungnahme des Sachwalters über den Fortgang des Insolvenzverfahrens und weitere Verfahrensfragen zu beschließen. Zu den Gründen der Insolvenz wird erstmal auf dieser Gläubigerversammlung Stellung genommen.

In dem vom Amtsgericht Köln auf den 9. Dezember 2005 anberaumten Prüfungstermin werden die Forderungen, die die Gläubiger gegen die AgfaPhoto GmbH geltend machen, geprüft und beschieden.

Interessenausgleich und Sozialplan unterschrieben

Wie auf der Mitarbeiterinformation am 22. Juli 2005 angekündigt, hat die Geschäftsführung der AgfaPhoto GmbH mit dem Gesamtbetriebsrat einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt und heute unterschrieben.

Von insgesamt 1 787 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der AgfaPhoto GmbH in Deutschland wird nun 707 Beschäftigten bis zum Ende des dritten Quartals 2005 der Wechsel in die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft angeboten, die ebenfalls im Verlauf der Mitarbeiterinformation am 22. Juli 2005 vorgestellt worden war.

Jedem dieser Mitarbeiter wird der Eintritt in diese Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für die Dauer von 12 Monaten angeboten. Während dieser 12 Monate wird das Gehalt 90 Prozent des bisherigen Entgelts betragen, die Mitarbeiter haben Anspruch auf 30 Urlaubstage.

Für die einzelnen Standorte der AgfaPhoto GmbH haben Geschäftsführung und Gesamtbetriebsrat vereinbart, an den Standorten Leverkusen und Köln statt mit derzeit 927 Beschäftigten im Insolvenzverfahren mit 597 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter zu arbeiten. In Münchner Werk der AgfaPhoto GmbH werden zukünftig noch 168 statt derzeit 298 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt werden können. Für den Standort Windhagen im Westerwald wurde ein Personalabbau von 129 Beschäftigten von derzeit 250 Mitarbeitern auf 121 Mitarbeiter vereinbart. Am bayrischen Standort Peiting wird 76 von 177 Mitarbeitern der Wechsel in die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft angeboten. Im württembergischen Vaihingen/Enz werden künftig noch 40 statt der bisher 82 Angestellten beschäftigt sein.

Da für den Standort Rottenburg in Bayern bereits vor dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens die unternehmerische Entscheidung getroffen wurde, die Produktion zum 31. Dezember 2005 einzustellen, kann den 53 Mitarbeitern in Rottenburg der Wechsel in die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft nicht angeboten werden.

Mit den von den Personalmaßnahmen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden bereits im Verlauf der letzten Juliwoche Einzelgesprächen geführt, um ein jeweils individuelles Qualifikations- und Anforderungsprofil erstellen.

Die 50 Auszubildenden der AgfaPhoto GmbH können ihre Ausbildung fortsetzen, solange eine fachgerechte Ausbildung sichergestellt ist.

Perspektiven bei Großlaboren und Minilaborgeräte

Neue Perspektiven haben sich in Gesprächen mit Kunden und möglichen Kooperationspartnern für die beiden Produktionsstandorte in München und Peiting ergeben: Nach Gesprächen mit interessierten Investoren ist Jauch zuversichtlich, Technik und Produktion der Großlabore fortführen oder verkaufen zu können.

„Für den Bereich der Minilaborgeräte zeichnet sich ebenfalls eine Lösung ab, nach der auch hier ein dauerhafter Erhalt möglich scheint. Entsprechende Gespräche mit vor allem amerikanischen Kunden sind viel versprechend. Auf Investorenseite werden wir unsere Gespräche über ein Joint-Venture weiter fortsetzen. “, erklärte Jauch den Stand der Sanierungsbemühungen.

Derzeit wird intensiv geprüft, die Filmproduktion fortzuführen. Geschäftsführung und vorläufiger Insolvenzverwalter hatten zunächst entschieden, die eigene Produktion vorerst noch im August fortzuführen. Ernsthaft geprüft würden nun sämtliche Möglichkeiten, auch weiterhin die Belieferung von Filmen in bewährter AgfaPhoto-Qualität sicherstellen zu können.

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