Herbert Smith Freehills Kramer M&A Outlook 2026: Deal-Aktivität in Deutschland bleibt trotz Turbulenzen stabil

13.02.2026

2025 war ein Jahr des Wandels für M&A in Deutschland. Gleichwohl hielt sich die Deal-Aktivität auf stabilem Niveau. Trotz Zöllen, Wirtschaftsschwäche und politischer Unsicherheit war der Markt geprägt von vorsichtigem Optimismus und einer Verschiebung hin zu größeren strategischen Deals. Die Gesamtzahl der Transaktionen ging zwar zurück. Nach Transaktionsvolumina kletterte Deutschland aber auf Platz 6 der aktivsten Zielländer (Platz 9 im Vorjahr), wie die internationale Wirtschaftskanzlei Herbert Smith Freehills Kramer in ihrem „Global M&A Outlook 2026“ feststellt.

Private-Equity-Transaktionen gewannen an Dynamik, angetrieben durch die Notwendigkeit, erhebliche Mengen an Dry Powder einzusetzen und operative Wertschöpfung zu erzielen. Die Dealmaker balancierten den Transformationsdruck durch Digitalisierung, Dekarbonisierung und Defence gegen anhaltende geopolitische Unsicherheiten aus. Sponsoren waren an fast 70 % des insgesamt verzeichneten M&A-Transaktionsvolumens in Deutschland direkt beteiligt, was die Bedeutung von privatem Kapital für das M&A-Ökosystem weiter festigte. Alternde Portfolios und längere Haltedauern veranlassten Sponsoren zu mehr Verkäufen. Daneben gewannen Buy-and-Build-Strategien an Bedeutung, vor allem in den Bereichen Software, Dienstleistungen und Gesundheitswesen.

Markttrends und Motivation

Inbound-M&A blieb der Haupttreiber des Transaktionsgeschehens. Besonders in den Bereichen Infrastruktur, Energie und Software machten ausländische Investoren einen erheblichen Anteil am Deal-Volumen in Deutschland aus. Deutsche Käufer hingegen blieben bei Outbound-Transaktionen aufgrund geopolitischer Spannungen und hoher Finanzierungskosten weiterhin zurückhaltend.

In zyklischen, unter Druck geratenen Branchen wie dem Einzelhandel und der Automobilzulieferindustrie kam es vermehrt zu Distressed-M&A, Turnarounds und Carve-outs. Carve-outs aus großen Unternehmen, die u. a. durch Portfoliokonzentration und den Druck zur Dekarbonisierung motiviert waren, bildeten ebenfalls eine stabile Quelle für den Dealflow. Das Mittelstandssegment prägte von Finanzinvestoren unterstützte Unternehmensnachfolgelösungen.

Viele Transaktionen wurden durch technologie- und umweltgetriebene Faktoren angetrieben, etwa den Erwerb von KI-Kompetenzen, fortschreitende Digitalisierung sowie Investitionen in die Energiewende und Infrastruktur. Der Sektor Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) war gemessen an der Zahl der Transaktionen am aktivsten. Nach Transaktionsvolumen stand 2025 der Bereich Energie mit einem Anteil von einem Viertel im Mittelpunkt.

Herausforderungen durch geopolitische Risiken und Regulierung

Von geopolitischen Risiken (Krieg in der Ukraine, Spannungen mit China, Konflikte im Nahen Osten) ging der größte externe Gegenwind für M&A- und Private-Equity-Vorhaben aus. Die zweite Trump-Regierung sorgte durch Zölle, Sanktionen und „Friendshoring“ für zusätzliche Unsicherheit im Welthandel, was deutsche Unternehmen bei Auslands-M&A zu Zurückhaltung veranlasste. Gleichzeitig führte ein deutlicher Anstieg der deutschen Verteidigungsausgaben zu mehr M&A-Aktivitäten in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung und Infrastruktur.

Weiter zunehmende Regulierung durch neue ESG-Kriterien, FDI-Screening, industriepolitische Interventionen und kartellrechtliche Unsicherheiten zog Transaktionen in einzelnen Sektoren (kritische Infrastruktur, Gesundheit, Dual-Use-Technologien, Halbleiter, KI und Dateninfrastruktur) teilweise in die Länge, ohne jedoch den Markt grundlegend zu beeinträchtigen. In einigen sensiblen Sektoren löst bereits der Erwerb von 10 % der Stimmrechte eine Meldepflicht gegenüber dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) aus. Zudem hat der AI Act der EU die Due Diligence bei M&A-Transaktionen in Deutschland noch komplexer gemacht.

Ausblick für 2026

Für 2026 ist im deutschen M&A-Markt ein moderates Wachstum zu erwarten. Als Treiber dürfen sich Unternehmensnachfolgen im Mittelstand, das Interesse ausländischer Käufer (insbesondere aus den USA) sowie Transaktionen im Zusammenhang mit KI und der digitalen Transformation erweisen. Die Entwicklung wird jedoch aufgrund makroökonomischer und geopolitischer Herausforderungen von einer vorsichtigen Stimmung begleitet sein.

Für Private Equity zeichnet sich ein stabiles Wertwachstum und ein steigendes Transaktionsvolumen ab, unterstützt durch den strategischen Einsatz von Technologie, Kreditinnovationen und wachsendes Investorenvertrauen. Regulatorische Herausforderungen und Herausforderungen bei der Umsetzung von Exits werden die Marktteilnehmer weiterhin beschäftigen.

„Der Ausblick für M&A in Deutschland im Jahr 2026 ist positiv. Wir gehen von steigenden Transaktionsaktivitäten aus, getrieben durch strategisch notwendige Transformationen, anhaltenden Druck auf Private-Equity-Investoren, Kapital einzusetzen, und die Auflösung eines bestehenden Deal-Rückstands.“ Dr. Oliver Duys, Partner im Bereich Private Equity/M&A bei HSK Kramer in Düsseldorf

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