Insolvente Plastic Manufacturing Group: Strategischer Investor übernimmt zwei von drei Standorten

17.04.2026

• Standorte Diepersdorf und Lüdenscheid werden übernommen

• Rund 350 Arbeitsplätze gesichert

Diepersdorf. Der Insolvenzverwalter des Automobilzulieferers Plastic Manufacturing Group, Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun, hat sich mit einem strategischen Investor auf eine Lösung geeinigt, die die Fortführung wesentlicher Teile der Gruppe ermöglicht. Die entsprechenden Verträge wurden heute unterzeichnet. Die Standorte in Diepersdorf und Lüdenscheid und insgesamt rund 350 Beschäftigte sollen dabei übernommen werden. Für den Vollzug der Übernahmen muss u.a. noch die zuständige Kartellbehörde zustimmen. Der dritte Standort, die SMK Plastic Manufacturing GmbH mit Sitz in Oberlungwitz, ist nicht Teil der Investorenlösung. Für diesen wird nun eine geordnete Ausproduktion eingeleitet.

Die Plastic Manufacturing Group gehört zum US-amerikanischen Konzern First Brands Group und hatte im November 2025 Insolvenz anmelden müssen. Auch der Mutterkonzern selbst befindet sich in einem Insolvenzverfahren.

„Mit der jetzt vereinbarten Übernahme ist es gelungen, zumindest für einen Teil der Gruppe eine tragfähige Perspektive zu schaffen – unter dem Dach eines wirtschaftlich und strategisch gut aufgestellten Investors“, so Böhm. „Damit kann nicht nur die drohende Stilllegung abgewendet werden. Für die beiden verbliebenen Standorte eröffnen sich zugleich neue Entwicklungsmöglichkeiten.“

Aufgrund der Integration in die Unternehmensgruppe des Erwerbers und mit Rücksicht auf die aktuelle Auftragslage kommt es in Diepersdorf zu weiteren Personalanpassungen. An diesem Standort müssen insgesamt rund 300 Stellen abgebaut werden. Bei Linden Plastics in Lüdenscheid hingegen wird der Großteil der rund 120 Beschäftigten übernommen.

Insolvenzverwalter Böhm hat sich mit dem Betriebsrat am Standort Diepersdorf über einen Interessenausgleich und Sozialplan geeinigt. Darüber hinaus wird für die Beschäftigten des Standorts eine Transfergesellschaft eingerichtet. In dieser werden die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für bis zu sechs Monate weiterbeschäftigt und können Qualifizierungsmaßnahmen sowie Unterstützung bei der Suche nach einer Anschlussbeschäftigung in Anspruch nehmen.

Die SMK Plastic Manufacturing in Oberlungwitz wird unterdessen auf die Ausproduktion vorbereitet. Für das Unternehmen konnte trotz intensiver Suche kein Investor gefunden werden. Die 75 dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden bereits informiert und werden zum 31. Juli gekündigt.

„Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das schmerzliche Einschnitte. Sie haben sich in den letzten Monaten sehr für den Erhalt ihrer Unternehmen eingesetzt“, betonte Böhm. „Umso mehr bedaure ich, dass diese Maßnahmen notwendig sind. Sie sind jedoch Folge der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Monate, in denen die Unternehmen erhebliche Umsatzrückgänge zu verkraften hatten. Hinzu kommt der tiefgreifende Strukturwandel in der Automobilzulieferer-Industrie. Vor diesem Hintergrund ist es ein positives Ergebnis, dass zumindest für einen Teil des Unternehmens eine Lösung gefunden werden konnte.“

Die drei Unternehmen der Plastic Manufacturing Group, die Diepersdorf Plastic Manufacturing GmbH mit Sitz in Diepersdorf (zuletzt rd. 535 Beschäftigte), die SMK Plastic Manufacturing GmbH mit Sitz in Oberlungwitz (zuletzt rd. 75 Beschäftigte), die Linden Plastics Manufacturing GmbH mit Sitz in Lüdenscheid (zuletzt rd. 120 Beschäftigte), hatten am 3. November 2025 Insolvenzantrag gestellt.

Der Standort Diepersdorf (ehemals Bolta-Werke) durchlief bereits 2022 ein Insolvenzverfahren und war damals von der tschechischen Winning Group übernommen worden. Seit 2024 gehörten die Unternehmen der Plastic Manufacturing Group dann zum US-Konzern First Brands.

Beteiligte Berater

Schultze & Braun: Volker Böhm (Insolvenzverwalter); Siegfried Flogaus, Aribert Panzer (Arbeitsrecht)

Deloitte: Dr. Robert Tobias, Götz Grundmann, Werner Warthorst, Philipp Hendel (M&A-Prozess)

Taylor Wessing: Julia Siedhoff, Dr. Hendrik Boss, Constantin Borowiak, Alexander Spalteholz, Anna Morawietz, Christian Benko (Insolvenzrecht & Restrukturierung); Dr. Jörg Henkel, Dr. Julia Wulff (Öffentliches Recht); Dr. Stefan Horn, Marieka Müller-Steinmann (Kartellrecht); Jan Seebass, Dr. Ulrich Spiegel (Commercial)

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