Magdeburger Maschinenbaufirma durch Automobilkrise in Eigenverwaltung

05.03.2020

[Magdeburg, 04.03.2020] – In Folge einer Kundeninsolvenz wurde vergangene Woche beim Amtsgericht Magdeburg für die drei operativ tätigen Gesellschaften der in Magdeburg ansässigen INTEB-M Gruppe aufgrund einer Ende März 2020 „drohenden Zahlungsunfähigkeit“ Insolvenzantrag gestellt und eine Sanierung in Eigenverwaltung beantragt. Konkret geht es um die Zukunft der Maschinenbau-Unternehmen H&B Omega Europa GmbH (Osterweddingen), IZM-Polycast GmbH (Osterweddingen) und SYMACON GmbH (Barleben/Kreis Börde).

Das Amtsgericht hat den Anträgen entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung (§ 270a InsO) angeordnet.

Durch die gerichtliche Anordnung verbleibt die Leitung der Unternehmen in den Händen der Geschäftsführung. Dieses Verfahren gibt dem Schuldner die Möglichkeit, die jeweilige Insolvenzmasse unter Aufsicht der vorläufigen Sachwalter selbst zu verwalten und über sie zu verfügen. Der Geschäftsbetrieb der drei Firmen wird ohne Einschränkung fortgeführt.

Angesichts der frühzeitig gestellten Eigenanträge und der gleichzeitigen Beantragung der Restrukturierung durch Eigenverwaltung sieht Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus gute Chancen, den Firmenverbund aus seiner angespannten Finanzsituation zu befreien und wettbewerbsfähig neu aufzustellen.

Amtsgericht bestellt vorläufige Sachwalter

Während der Geschäftsbetrieb der Firmen uneingeschränkt weitergeht, hat das Amtsgericht Magdeburg drei vorläufige Sachwalter bestellt. Rechtsanwalt RÜDIGER BAUCH ist ab sofort für die SYMACON GmbH zuständig, seine Kollegin Rechtsanwältin HEITJE THÜRNAGEL kümmert sich um die Belange die H&B Omega Europa GmbH. Die beiden Insolvenzspezialisten gehören zur Kanzlei Schultze & Braun. Der Insolvenzexperte und Diplom-Betriebswirt HEIKO RAUTMANN (Müller & Rautmann) wurde als vorläufiger Sachwalter für die IZM-Polycast GmbH bestellt.

Das (vorläufige) Eigenverwaltungsverfahren

Im (vorläufigen) Eigenverwaltungsverfahren bleibt die unternehmerische Verantwortung bei der bisherigen Geschäftsführung. Sie führt den Sanierungsprozess selbstständig mit den ihr zur Seite gestellten (vorläufigen) Sachwaltern und mit einem erfahrenen Sanierungsberater durch.

Der Insolvenz- und Sanierungsexperte JOACHIM VOIGT-SALUS wird zunächst als Generalbevollmächtigter für die drei Automobilzulieferer tätig werden. Darüber hinaus ist geplant, dass er auch in die Geschäftsführung eintreten wird. Seine Kanzlei Voigt Salus wurde für das Jahr 2019/2020 als eine von 32 weiteren Kanzleien im Bereich Insolvenzverwaltung/Sanierung in Deutschland ausgezeichnet.

Als Generalbevollmächtigter wird Voigt Salus während des Sanierungsprozesses seine langjährige Insolvenz- und Restrukturierungsverfahren einbringen und die Erstellung eines Fortführungskonzeptes bzw. dessen Kommunikation und Umsetzung konstruktiv begleiten. Im Wesentlichen wird es darum gehen, die angespannte Liquiditätslage durch verschiedene leistungswirtschaftliche Maßnahmen nachhaltig zu verbessern.

In einer ersten Stellungnahme sagte Joachim Voigt-Salus: „Nach der Anordnung der Eigenverwaltung kann die Produktion an allen drei Standorten uneingeschränkt fortgeführt werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir das vorhandene Know-how der Gesellschaften zielführend für eine nachhaltige Sanierung nutzen können. Wir werden umgehend alle zur Verfügung stehenden Sanierungsoptionen prüfen, so dass im Rahmen des Verfahrens eine bestmögliche Fortführungslösung für den Firmenverbund, die rund 140 Beschäftigten sowie die Gläubiger, Zulieferer und Kunden gefunden werden kann.“

Optimismus in der Geschäftsführung

Die Geschäftsführung des Unternehmensverbundes setzt engagiert den auf den Weg gebrachten Sanierungsprozess fort. „Ich glaube an die Zukunft unserer technologisch anspruchsvollen Unternehmensgruppe und an unsere Produkte. Ich glaube an unseren traditionsreichen Maschinenbaustandort Magdeburg und nicht zuletzt vor allem an unsere engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gemeinsam werden wir im Rahmen der Eigenverwaltung alle Chancen für eine erfolgreiche und vor allem auch dauerhafte Sanierung wahrnehmen“, sagte Geschäftsführer FELIX VON NATHUSIUS in einer ersten Stellungnahme.

Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes

Auch die rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der der drei betroffenen Unternehmen wollen den Sanierungsprozess aktiv und vor allem auch selbstbewusst begleiten. Sie wurden am Freitag auf zwei eigens einberufenen Betriebsversammlungen über den aktuellen Status Quo und das geplante weitere Vorgehen informiert.

Von großer Relevanz ist für die Belegschaft die Möglichkeit der Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bis Ende April 2020 abgesichert.

Zu Ihrer weiteren Information:

H&B Omega Europa GmbH

Der Vorrichtungs- und Maschinenbauer H&B OMEGA Europa GmbH ist 1991 aus dem SKET-Werkzeug- und Vorrichtungsbau unter der Firmierung Huber & Bauer Nord GmbH hervorgegangen. Mit der Umbenennung in H&B OMEGA Europa GmbH 1995 wurde die amerikanische Firma OMEGA Automation Inc. als Mitgesellschafter aufgenommen. 1996 erfolgte der Umzug vom SKET-Gelände in eine neu errichtete Produktionsstätte im Gewerbegebiet Sülzetal/OT Osterweddingen. Als mittelständisches Unternehmen produziert H&B OMEGA Reibschweißmaschinen und Erzeugnisse für den Werkzeug- und Vorrichtungsbau, den Sondermaschinen- und Anlagenbau sowie Einrichtungen für die Fördertechnik. Eigene Entwicklung, Konstruktion und Projektierung, ein umfangreicher Maschinenpark, Montage und Installation sowie die Programmierung von CNC- und SPS-Steuerungen gewährleisten die Durchgängigkeit in der Fertigung.

IZM-Polycast GmbH

Am 1.1.2000 wurde das Innovations-Zentrum Mineralguss in Haldensleben als Einzelunternehmen gegründet. Aus dieser Firma ist 2008 die IZM Polycast hervorgegangen. Mit dem selbst entwickelten Werkstoff Baerlit® hat sich die IZM Polycast stetig zu einem anerkannten Innovationspartner des deutschen Maschinenbaus entwickelt. Um den wachsenden Bedarf an innovativen, hochpräzisen Mineralgussbauteilen erfüllen zu können, erfolgte 2010 der Umzug nach Magdeburg. Die IZM Polycast konstruiert und fertigt technologisch hochwertige Bauteile aus Mineralguss für den gesamten europäischen Markt. Neben dem klassischen Maschinenbau werden bei IZM auch Lösungen für die Medizintechnik, für die Messtechnik und den Messmittelbau entwickelt.

SYMACON GmbH

Der Spezialist für kundenspezifische Automatisierungslösungen ist 1993 aus der 1971 gegründeten FER – Forschung, Entwicklung, Rationalisierung hervorgegangen. Seit 2000 firmiert das Unternehmen in Barleben. 75 Ingenieure und Facharbeiter entwickeln und fertigen auf 3000 qm technologisch anspruchsvolle Sondermaschinen für die Automatisierung von Montage- und Fertigungsprozessen. Neben Entwicklung und Konstruktion komplexer Sonderanlagen, überzeugt Symacon durch eigene Steuerungs-, Software- und Bildverarbeitungskompetenz.

Die am Verfahren beteiligten Kanzleien:

Schultze & Braun

Schultze & Braun ist ein führender Dienstleister für Insolvenzverwaltung und Beratung im Sanierungs- und Insolvenzrecht. Mit rund 700 Mitarbeitern an mehr als 40 Standorten in Deutschland und dem europäischen Ausland unterstützt Schultze & Braun Unternehmen vor Ort, bundesweit und international in allen rechtlichen, steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen.

Müller & Rautmann

Müller & Rautmann Insolvenzverwaltung – Rechtsanwälte und Betriebswirte – haben sich auf die professionelle Insolvenzverwaltung spezialisiert. Seit 1994 hat die Sozietät umfangreiche Erfahrungen auch bei der Bearbeitung von Großinsolvenzen. Die Zusammenführung von juristischer und betriebswirtschaftlicher Kompetenz hat sich insbesondere bei der Gestaltung von Unternehmenssanierungen bewährt.

Voigt Salus.

Die in Berlin beheimate und an mehreren Standorten in Deutschland ansässige Sozietät Voigt Salus ist bereits in mehr als 2.500 Restrukturierungs- und Sanierungsverfahren als Berater, Eigenverwalter, Sachwalter und Insolvenzverwalter tätig gewesen. Kanzleigründer Joachim Voigt Salus und sein engagiertes Team verfügen über die nötige Erfahrung, auch bei der Krise großer Unternehmen innerhalb kürzester Zeit einen Sanierungsprozess erfolgreich und nachhaltig zu gestalten. Im aktuellen Fall wird er von seinem Leipziger Kollegen, Rechtsanwalt CHRISTIAN KRÖNERT, unterstützt.

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