Maschinenfabrik Möllers: Investorenprozess erfolgreich beendet - Sanierungslösung gefunden

13.04.2021

Münster / Beckum, 12. April 2021. Das Amtsgericht Münster hatte am 1. April 2021 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Maschinenfabrik Möllers GmbH aus Beckum eröffnet und den Sanierungsexperten Rechtsanwalt und Fachanwalt Stefan Meyer, geschäftsführender Gesellschafter der PLUTA Rechtsanwalts GmbH, zum Insolvenzverwalter bestellt.

Nur wenige Tage nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist eine Fortführungs- und Restrukturierungslösung für die Maschinenfabrik Möllers GmbH gefunden. Der in dem Verfahren gerichtlich eingesetzte Gläubigerausschuss hat nach umfassender rechtlicher wie wirtschaftlicher Prüfung der sehr unterschiedlichen Konzepte der beiden zuletzt verbliebenen potentiellen Käufer seine Zustimmung und damit den „Zuschlag“ zum Unternehmenskaufvertrag mit der Arodo Group, Belgien, erteilt. Der Vertrag wurde am Wochenende rechtsverbindlich vom Käufer wie auch vom PLUTA Sanierungsexperten und Insolvenzverwalter Stefan Meyer unterzeichnet.

Mit der Vertragsunterzeichnung ist aber noch keine endgültige Lösung gefunden. Es sind noch Vollzugsbedingungen zu erfüllen wie z.B. ein Personalabbau nach Erwerberkonzept und es ist ein Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall zu schließen. Nur mit erfolgreicher Umsetzung der Vollzugsbedingungen kommt es zur Durchführung der Übernahme; alle Beteiligten sind allerdings zuversichtlich, die Vollzugsbedingungen innerhalb der kommenden vier Wochen, mithin bis Mitte Mai 2021, erfüllen zu können. Mit dem Vollzug dieses Unternehmenskaufvertrages können 80 Arbeitsplätze erhalten werden. Nach dem Erwerberkonzept sind allerdings auch 79 Arbeitsplätze abzubauen. Es werden sich unmittelbar Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan mit dem Betriebsrat sowie mit der IG Metall zum Sanierungstarifvertrag unter enger Einbeziehung des Erwerbers in den nächsten Tagen anschließen. Mit dem Investor, der Arodo Group, ist vereinbart, dass der Arbeitsplatzabbau so sozialverträglich wie möglich über die Einrichtung einer Transfergesellschaft vorgenommen werden soll. Über die aktuellen Entwicklungen werden die Arbeitnehmer neben der umgehenden Information durch den Betriebsrat noch in dieser Woche auch durch den Insolvenzverwalter ausführlich im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert.

PLUTA-Sanierungsexperte Meyer freut sich über die Sanierungslösung für Traditionsunternehmen und äußert sich wie folgt:

„Wir haben in den letzten Tagen gemeinsam unter Hochdruck an der Umsetzung einer Sanierungslösung gearbeitet. Die Verhandlungen waren ausgesprochen anspruchsvoll und intensiv. Ich freue mich sehr, dass nunmehr mit der Arodo Group ein Käufer gefunden wurde, dessen Konzept nachhaltig ist und eine bestmögliche Gläubigerbefriedigung mit dem Erhalt des Unternehmens sowie dem Erhalt von insgesamt rund der Hälfte der Arbeitsplätze kombiniert. Ich halte das vorgestellte und inzwischen vertraglich vereinbarte Konzept für eine gute Basis, den Restrukturierungsweg der Maschinenfabrik Möllers GmbH am Standort in Beckum weiter erfolgreich voranzutreiben. Zwar hätten wir uns auch in Anbetracht des vorrangig zu berücksichtigenden Verfahrensziels bestmöglicher Gläubigerbefriedigung gewünscht, noch mehr Arbeitsplätze sichern zu können, da hinter jedem einzelnen, abzubauenden Arbeitsplatz immer auch eine persönliche Geschichte steht. Das war aber aus vielfältigen Gründen nicht möglich; auch kein anderer Bieter hatte im Investorenprozess eine höhere Personalstärke in Beckum in seinem Konzept vorgesehen. Einzelne Angebote sahen auch vollständige Betriebsschließungen mit Produktionsverlagerungen vor“.

Im weiteren Verlauf des Verfahrens gilt es mit vereinten Kräften aller Beteiligten (Käufer, Insolvenzverwalter, Kunden, Lieferanten, Arbeitnehmer, Betriebsrat und IG Metall) die Closing- (Vollzugs-)bedingungen des Vertrages zu erfüllen und damit auch für die tatsächliche Umsetzung des Vertrages und der damit verbundenen Sanierungslösung zu sorgen.

Hierzu führt der Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Stefan Meyer weiter aus: „In diesem Zusammenhang erlaube ich mir an alle Beteiligten zu appellieren, sich ihrer erheblichen Verantwortung in diesem nun folgenden Umsetzungsprozess bewusst zu sein. Für den Moment darf ich mich insbesondere bei allen Arbeitnehmern bedanken, die mich bei der Betriebsfortführung im bisherigen Verlauf, trotz sehr schwieriger, von Corona beeinträchtigter Bedingungen, durch ihr großes Engagement sehr gut unterstützt haben und damit diese hier gefundene Lösung erst möglich gemacht haben. Das gilt ebenso für den Betriebsrat, deren Berater und die IG Metall, die unsere intensiven Bemühungen bis zum heutigen Tag außerordentlich konstruktiv begleitet haben, ohne dabei ihre Rolle zu verlieren.“

Der Insolvenzverwalter wird in dem Verfahren unter anderem vom PLUTA-Team um Rechtsanwältin Dr. Ria Brüninghoff, Rechtsanwalt Christoph Chrobok und Diplom-Wirtschaftsjurist Tim Austmeyer unterstützt.

Die sehr international ausgerichtete Maschinenfabrik Möllers GmbH entwickelt und fertigt seit 1952 Maschinen und Anlagen für die Materialabfüllung, Palettierung, Verpackung und Verladung. Das Unternehmen aus Beckum bei Münster stellt hochwertige Abfüll- und Verpackungsanlagen sowie weitere maßgeschneiderte Produkte für Kunden in der ganzen Welt her. Die Produktion der Hochleistungsmaschinen von Möllers findet in Beckum statt. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen international über Tochtergesellschaften in den USA, Brasilien, Singapur, Moskau, Großbritannien und Frankreich sowie 38 Repräsentanten und Vertretungen auf allen fünf Kontinenten und damit an allen wichtigen Industriestandorten (Möllers Group). Die Corona-Krise führte neben internen strategischen Schwierigkeiten zu großen Herausforderungen, da viele Aufträge zeitlich verschoben wurden oder aufgrund der sehr eingeschränkten Reisemöglichkeiten teils noch nicht abgeschlossen werden können. Dadurch ist Möllers zahlungsunfähig geworden und hat zwecks einer gerichtlichen Sanierung Ende Januar 2021 ein Regelinsolvenzverfahren eingeleitet. Zum Zeitpunkt der Verfahrenseinleitung wurden knapp 200 Arbeitnehmer beschäftigt.

Die ARODO Group (http://www.arodo.com) aus Belgien ist seit über 30 Jahren auf die Entwicklung und Produktion von kundenspezifischen Verpackungslösungen für Produzenten hochwertiger Pulver spezialisiert. Diesem einmaligen Fokus hat ARODO es zu verdanken, in diesem Segment die Marktführerschaft inne zu haben. Das Portfolio umfasst dabei die individuelle Herstellung von Verpackungsmaschinen, welche aus einzelnen Segmenten bestehen, insbesondere Sackverpackungs-, Palettier- und Haubenstretchanlagen. Zu den Kunden zählen hauptsächlich Produzenten hochwertiger Pulver aus den Branchen Baugewerbe, Chemie, Mineralien, Lebensmittel und Futtermittel. ARODO ist derzeit in rund 20 Ländern weltweit aktiv.

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