Schultze & Braun: Flabeg-Investorenprozess geht in die nächste Runde

31.07.2020

Der Verkaufsprozess für den insolventen Automobilzulieferer Flabeg hat begonnen. Dies teilte der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Rechtsanwalt Volker Böhm von Schultze & Braun, heute mit. Wie Böhm berichtete, haben bereits rund 15 potenzielle Erwerber ihr Interesse an dem Premium-Hersteller für Gläser und Spiegel angemeldet.

Nürnberg. Die beiden deutschen Gesellschaften „Flabeg Automotive Holding GmbH“ mit Sitz in Nürnberg und „Flabeg Deutschland GmbH“ in Furth am Wald hatten Mitte Mai Insolvenzantrag gestellt. Ursachen waren nach Angaben des Unternehmens die Umsatzverluste, die durch die allgemeine Absatzkrise in der Automobilbranche sowie durch den COVID-19-Lockdown verursacht worden waren. Bei der Flabeg-Gruppe sind weltweit rund 1.100 Arbeitnehmer beschäftigt.

Nach dem Insolvenzantrag war es dem vorläufigen Insolvenzverwalter Böhm gemeinsam mit der Geschäftsführung schnell gelungen, den Geschäftsbetrieb von Flabeg zu stabilisieren und erste Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. Der Geschäftsbetrieb wurde während des vorläufigen Verfahrens in vollem Umfang fortgeführt. Das gilt auch für die ausländischen Flabeg-Gesellschaften, die nach wie vor keinen Insolvenzantrag gestellt haben. Flabeg unterhält Produktionsstandorte u.a. in China, Frankreich und Brasilien und ist daher weltweit mit den Folgen der Corona-Pandemie konfrontiert. „Es ist aber in allen Ländern gelungen – auch unter solch schwierigen Rahmenbedingungen wie etwa in Brasilien –, die Produktion aufrecht zu erhalten“, unterstrich Volker Böhm. Er hob in diesem Zusammenhang das große Engagement der Flabeg-Arbeitnehmer im In- und Ausland während der vergangenen Wochen hervor.

Die Auftragslage bei Flabeg hat sich während des vorläufigen Insolvenzverfahrens trotz des schwierigen Marktumfeldes positiv entwickelt. „Nach der deutlichen Delle infolge des Corona-Shutdowns sind die Bestellungen während der letzten Wochen wieder angestiegen“, sagte Andreas Katzer, CEO der Flabeg Automotive Holding. „Es ist spürbar, dass die Automobil-Konjunktur an Fahrt gewinnt.“ Zudem wird Flabeg von den Kunden weiterhin bei Ausschreibungen berücksichtigt. „Dies zeigt, dass die Kunden an Flabeg als Partner festhalten wollen“, ergänzte Böhm. „Zudem ist dies ein wichtiges Signal für den laufenden Verkaufsprozess.“

Böhm hatte bereits im vorläufigen Verfahren einen strukturierten Investorenprozess eingeleitet. Inzwischen haben rund 15 nationale und internationale Investoren ihr Interesse bekundet. Darunter sind sowohl strategische Investoren als auch Finanzinvestoren. Diese haben bereits mit der Prüfung der Unternehmensunterlagen begonnen und müssen anschließend indikative Kaufangebote abgeben. Aufgrund gegenseitiger Verschwiegenheitserklärungen können jedoch keine Detailinformationen über die Bieter oder zum Verlauf des Investorenprozesses an die Öffentlichkeit gegeben werden.

Voraussichtlich am 1. August 2020 wird das zuständige Insolvenzgericht in Nürnberg das Insolvenzverfahren eröffnen. Mit der Eröffnung des Verfahrens enden auch die Insolvenzgeldzahlungen. Die Unternehmen müssen dann die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer wieder selbst bezahlen. Das aktuelle Umsatzniveau ist jedoch nicht ausreichend, um eine kostendeckende Fortführung der Geschäftsbetriebe im eröffneten Verfahren sicherzustellen.

Böhm ist deshalb gezwungen, 44 Flabeg-Mitarbeitern zu kündigen. Damit bleiben in den beiden deutschen Flabeg-Gesellschaften knapp 220 Arbeitsplätze erhalten, davon rund 25 in der „Flabeg Automotive Holding GmbH“ und rund 195 in der „Flabeg Deutschland GmbH“. Die Belegschaft wurde heute auf einer Betriebsversammlung über die Personalmaßnahmen informiert. Den Kündigungen waren Verhandlungen mit dem Betriebsrat vorausgegangen, um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan abzuschließen. „Ich bedauere diese Kündigungen sehr“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. „Sie sind allerdings unumgänglich, damit der Flabeg-Geschäftsbetrieb und der Produktionsstandort Furth im Wald auch nach der Eröffnung der Insolvenzverfahren fortgeführt werden kann.“

Flabeg wurde 1882 gegründet und zählt weltweit zu den Markt- und Technologieführern für Außen- und Innenspiegelgläser, Display-Covergläser, Head up Display-Komponenten und Instrumentenglas. Das Unternehmen mit Sitz in Nürnberg erwirtschaftete zuletzt mit weltweit 1.100 Beschäftigten einen Jahresumsatz von mehr als 85 Millionen Euro.

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