Globale Studie von Pinsent Masons sieht Deutschland als Schlüsselmarkt für internationale Low-Carbon-Investitionen – CCS als zentraler Aktivitätsschwerpunkt

06.05.2026

5. Mai 2026

Eine aktuelle Umfrage der multinationalen Wirtschaftskanzlei Pinsent Masons zeigt: Der deutsche Low-Carbon-Markt wird in überwältigendem Maße von CO₂-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage = CCS) geprägt. 94 % der deutschen VC-Investoren und Technologieentwickler gaben an, im vergangenen Jahr in entsprechende Technologien investiert zu haben. Die Aktivitäten erstrecken sich über die gesamte CCS-Wertschöpfungskette: 78 % investierten in CO₂-Abscheidung und 62 % in CO₂-Speicherung, darunter On-Site-Speicherprojekte (33 %), Offshore-Speicherung unter dem Meeresboden (28 %) sowie Onshore-Speicherprojekte (21 %).

Über CCS hinaus berichteten die deutschen Befragten in den vergangenen zwölf Monaten auch von erheblichem Engagement in weitere Technologien, darunter fortgeschrittene Kernspaltung (advanced nuclear fusion - 44 %) und direkte Luftabscheidung (direct air capture - 43 %). Aktivitäten in den Bereichen Wasserstoff (15 %), E-Fuels (14 %) und Solarenergie (10 %) bleiben bislang vergleichsweise begrenzt.

Die Studie Inside the Energy Transition zeigt die Einschätzungen von fast 1.000 globalen VC-Investoren und Technologieentwicklern. Die Daten positionieren Deutschland weltweit als attraktivsten Standort für Expansionen im Low-Carbon-Bereich: 21 % der Befragten außerhalb Deutschlands planen, im kommenden Jahr hierzulande Aktivitäten aufzunehmen oder auszubauen. Im Inland ist die Dynamik noch stärker: 91 % der deutschen Befragten erwarten, verstärkt zu investieren oder zu expandieren. Bei Auslandsinvestitionen richtet sich das Interesse vor allem auf Frankreich (54 %) und die Niederlande (33 %).

Auf die Frage, welche Faktoren Standortentscheidungen für Expansionen beeinflussen, nannten die Befragten steigende Nachfrage und Zugang zu qualifizierten Fachkräften als wichtigste Treiber (jeweils 44 %). Es folgen Verfügbarkeit von Arbeitskräften (40 %), staatlich unterstützte Anreize (38 %) sowie stabile regulatorische (36 %) und politische Rahmenbedingungen (35 %). Bemerkenswert ist, dass Entwickler fast doppelt so häufig wie Investoren eine stabile politische Landschaft als relevanten Faktor nannten (44 % gegenüber 23 %). Dies unterstreicht die Bedeutung verlässlicher Marktsignale neben politischer Unterstützung.

Deutschland zeichnet sich zudem durch eine hohe Inanspruchnahme staatlicher Anreize aus: 88 % der deutschen Befragten gaben an, bereits einen finanziellen Anreiz im Inland genutzt zu haben; zusätzlich wurden solche Anreize in erheblichem Umfang in Frankreich (44 %) und den Niederlanden (31 %) genutzt. Mit Blick auf internationale Aktivitäten erklärten 29 % der globalen Befragten, sie hätten in Deutschland Anreize in Anspruch genommen, darunter am häufigsten Differenzverträge (Contracts for Difference) mit 47 %, gefolgt von Steuergutschriften oder -erstattungen sowie reduzierten Steuersätzen (jeweils 35 %), daneben Kreditgarantien, Vorzugszinsen und Zuschüsse zu Investitionskosten.

Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate bleibt CCS zentral für Low-Carbon-Aktivitäten, die Investitionsabsichten deuten jedoch klar auf eine Diversifizierung hin. Zwar beabsichtigen weiterhin 80 % der befragten Unternehmer, in CCS zu investieren; dies entspricht jedoch einem Rückgang gegenüber dem aktuellen Niveau, der insbesondere durch einen deutlichen Rückgang bei der CO₂-Abscheidung getrieben wird (von 78 % auf 44 %). Zugleich dürften neue und erneuerbare Technologien deutlich an Bedeutung gewinnen, getragen von wachsendem Interesse an Geothermie (28 %), E-Fuels (27 %), kohlenstoffarmem Wasserstoff (25 %) sowie Gezeiten- und Meeresenergieprojekten (22 %) – Bereiche, in denen im Vorjahr nur geringe oder gar keine Investitionen verzeichnet wurden.

Trotz der starken Dynamik im Inland bestehen weiterhin Hürden. Fast die Hälfte der deutschen Befragten nannte fehlenden Zugang zu unterstützender Infrastruktur (43 %) und Schwierigkeiten bei der Skalierung von Technologien (37 %) als wesentliche Einschränkungen. Hinzu kommen fehlende staatlich unterstützte Anreize (63 %) und regulatorische Instabilität (51 %). Dieselben Faktoren beeinflussen auch Forschungs- und Entwicklungsentscheidungen stark: Die Befragten priorisieren erwartete positive regulatorische Veränderungen (48 %), staatliche Anreize (46 %) und wachsende Nachfrage (44 %).

Deutschland weist eine nahezu vollständige Ausrichtung auf für CO₂-Zertifikate qualifizierende Technologien auf: 86 % der Investoren gaben an, Investitionen in Technologien, die für Carbon Credits infrage kommen, eindeutig zu priorisieren – gegenüber beispielsweise nur 50 % in Großbritannien. 86 % stimmen zu, dass Carbon Credits eine entscheidende Rolle bei der Erreichung globaler Netto-Null-Ziele spielen werden; ebenso viele sind der Ansicht, dass staatliche Anreize für die Skalierung von Carbon-Credit-Märkten unerlässlich sind.

Dr. Sönke Gödeke, Partner und Head of German Energy von Pinsent Masons, kommentiert die Ergebnisse wie folgt: „Deutschland sticht aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung als Magnet für grenzüberschreitende Investitionen in klimaschonende Technologien heraus. Das Interesse an Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung dominiert weiterhin, doch die Daten zeigen deutlich, dass Investoren und Entwickler ihren Fokus ausweiten, während Technologien im Kontext von Geothermie, Wasserstoff und zum Teil auch E-Fuels der Marktreife näherkommen. Grundlage der starken Position Deutschlands ist nicht allein politischer Gestaltungswille, sondern Vertrauen – in die Marktnachfrage, die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und die langfristige Rolle von Carbon Credits bei der Erreichung von Net-Zero. Die Herausforderung dürfe nun darin bestehen, sicherzustellen, dass Anreize und Infrastruktur mit dieser Investitionsbereitschaft Schritt halten."

Die Studie

Im Auftrag von Pinsent Masons hat das Marktforschungsunternehmen Censuswide 964 Venture-Capital-Investoren und Technologieentwickler, davon 85 aus Deutschland, befragt. Darunter waren 525 VC-Investoren mit Fondsvolumina von mehr als 50 Mio. US-Dollar, die im Low-Carbon-Bereich aktiv sind, sowie 439 Unternehmen, die Low-Carbon-Technologien entwickelt haben. Die Daten wurden zwischen dem 12. und 24. Februar 2026 erhoben.

Um ein fokussiertes Bild der Investitionsbereitschaft im Bereich CCS zu erhalten, hat Censuswide Antworten zur CO₂-Abscheidung – sowohl Pre-Combustion als auch Post-Combustion – mit Antworten zur CO₂-Speicherung, einschließlich On-Site-, Offshore- und Onshore-Optionen, zusammengeführt. Anschließend wurden diese Datensätze aggregiert, um ein umfassendes Gesamtbild der Befragten zu erhalten, die entweder in CO₂-Abscheidung oder CO₂-Speicherung investieren.

Censuswide hält sich an die Vorgaben der Market Research Society, beschäftigt Mitglieder dieser Organisation und folgt dem MRS-Verhaltenskodex sowie den ESOMAR-Grundsätzen. Censuswide ist zudem Mitglied des British Polling Council.

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