Jahreskongress Insolvenzrecht: Zunehmende Herausforderungen vor dem Hintergrund weiter steigender Insolvenzen

09.06.2026

Potsdam, 8.6. 2026: Angesichts weiter zunehmender Insolvenzen – allein im ersten Quartal 2026 kletterte die Zahl der Firmenpleiten laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren – steigen auch die Anforderungen an Restrukturierungsberater, Insolvenzverwalter und Banken. „Umso wichtiger ist der Austausch zwischen Rechtsprechung, Wissenschaft und Praxis, und die Zahl von rund 140 Teilnehmern an diesem Kongress spricht für sich“, betonte Christian Graf Brockdorff, Partner der Restrukturierungkanzlei BBL Brockdorff, bei der Eröffnung des diesjährigen Jahreskongress Insolvenzrecht am 4. Juni 2026 in Potsdam.

Zum 27sten Mal in Folge berichteten namhafte Referenten aus Praxis und Rechtsprechung im Rahmen des sog. BankersCampus (4.-5.6. 2026) über aktuelle Entwicklungen im Insolvenzrecht. Das Themenspektrum der Konferenz reichte von der Kommentierung aktueller BGH-Beschlüsse bis zu aktuellen Fallstudien aus der Restrukturierungspraxis und den Einsatzmöglichkeiten der Künstlichen Intelligenz.

Branchenspezifische Herausforderungen im Insolvenzfall

Zu den grundsätzlichen Herausforderungen in der Insolvenz kommen branchenspezifische Herausforderungen, beispielsweise im Fall von Single Source Lieferanten in der Automobilbranche (Wertstattbericht von Nicole Riedemann und Silvio Höfer von Anchor Rechtsanwälte) oder im Fall von Reiseveranstaltern: In diesem Kontext stellte Axel W. Bierbach (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) eine Case Study zur Insolvenz von FTI Touristik vor. Diese sei beispielhaft für viele Spezifika des Tour Operator Geschäfts in der Insolvenz, wie etwa die Erstattungsansprüche der Kunden bei Pauschalreisen und Besonderheiten der Tabellenführung.

Die besondere Situation der Startup-Branche beleuchtete Burkhard Jung (Deloitte) in seiner Vorstellung von Lösungsansätzen zur Rettung von Jungunternehmen. Eine langfristige Etablierung gelinge nur einer geringen Anzahl von Start-ups in Deutschland: „Lediglich rd. 10-20 Prozent überstehen die initiale Phase und sichern so ihre wirtschaftliche Existenz“, so Jung. Zu den besonderen Herausforderungen zählte der wiederkehrende Bedarf an frischem Kapital, das in mehreren Finanzierungsrunden eingeworben werden müsse. Oft sei bis zuletzt unklar, ob eine Finanzierungsrunde überhaupt erfolgreich abgeschlossen werden könne, was für die Geschäftsführung nicht zuletzt akute Risiken wegen möglicher Insolvenzverschleppung zur Folge habe.

Digitalisierung und neue Technologien im insolvenzrechtlichen Verfahrensalltag Mit den Auswirkungen der Digitalisierung und neuer Technologien auf die tägliche Arbeit in Insolvenzverfahren befassten sich André Binder (Partner von BBL) und sein Kollege Jonas Karioui. Binder zeichnete die Entwicklung von papiergebundenen Verfahren über digitale Dokumenten- und Workflow-Systeme bis hin zur heute selbstverständlichen standortübergreifenden Zusammenarbeit nach. Die Digitalisierung habe die Arbeitsorganisation in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und neue Formen der Bearbeitung komplexer Verfahren ermöglicht.

Darauf aufbauend zeigte Karioui, wie Künstliche Intelligenz bereits heute bei der Analyse umfangreicher Dokumentenbestände, der Recherche und der Aufbereitung großer Informationsmengen unterstützen kann. Gleichzeitig plädierte er dafür, den Einsatz neuer Werkzeuge strategisch anzugehen und „von der Guerillataktik zur systematischen Nutzung“ zu gelangen. Ziel sei es, Erfahrungen aus ersten Anwendungen in nachhaltige und praxistaugliche Lösungen zu überführen.

Deutlich wurde, dass die Weiterentwicklung der insolvenzrechtlichen Praxis nicht von einzelnen Technologien abhängt. Entscheidend sind vielmehr ihr sinnvoller Einsatz im Verfahrensalltag sowie das Zusammenspiel von digitalen Prozessen, organisatorischen Strukturen und fachlicher Expertise.

Das Programm im Detail:

www.bbl-law.com/wp-content/uploads/2026/04/BBL-veranstaltung-2026-jahreskongress-insolvenzrecht-potsdam-2026-programmflyer.pdf

Über die Jahreskonferenz Insolvenzrecht / BankersCampus-Kongress

Der BankersCampus-Kongress bietet ein offenes Forum zum Erfahrungsaustausch und zur Fachinformation zu aktuellen Entwicklungen im Insolvenzrecht. Namhafte Referenten aus Praxis und Rechtsprechung berichten zu relevanten Themen. Der Jahreskongress Insolvenzreht wird vom Ostdeutschen Sparkassenverband in Kooperation mit BBL Brockdorff Rechtsanwaltsgesellschaft mbH ausgerichtet.

www.bankerscampus.de

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